Einsames Boot am Strand, Schön-Tacheles

Von Sinnen, Halbjahresabrechnung

Von Sinnen, 

berichte ich hier, theoretisch im Quartal. Immer häufiger verschiebt sich jedoch mein Quartal und es tut sich ein Höllenschlund auf, in dem es keine Zeitrechnung gibt. Natürlich sind meine 5Sinne aktiviert, hochsensibel wie ich leider bin, sogar mehr noch als sonst. All das gesehene, gehörte, getastete, geschmeckte und gerochene musste also erst verarbeitet werden. Zwischendurch war abzuwägen ob morgen vielleicht eh Krieg ist und sich ein Blogpost gar nicht lohnt und die Kosten- Nutzenrechnung der Frau Monk fiel eben nicht zu Gunsten der Leser aus. Das Hippiemädchen beruhigte die Gemüter und wies auf unsere Autonomie hin, völlig frei in unseren Entscheidungen zu sein und frei von Zeit und Raum.
Ich habe es dann auch ein-gesehen.
Alles zu seiner Zeit, Prioritäten setzen, den realen Dingen den Vorzug geben, statt den Eventualitäten.

gehört…

Ihr habt es sicher schon gehört. Das Internet wird von Trollarmeen und Fakeaccounts der neuen Rechten, alten Rechten, unrechten Rechten, der verfickten Rechten halt, überflutet. Mit Unwahrheiten, Hass und Hetze verwässern sie die Wahrheit, wie es ihre Vorgänger schon immer taten. Heute birgt diese Propaganda allerdings ein noch viel größeres Gefahrenpotenzial, denn es erreicht jeden, in Bruchteilen einer Sekunde. Es braucht nur einen Menschen schlechter Gesinnung, der seine Meinung durch Bots in rasender Geschwindigkeit vervielfältigt und unter die Leute bringt. Dazu kommen die Medien, die mit fragwürdigen Überschriften und unmoderierten Kommentarspalten permanent Öl ins Feuer gießen. Trifft diese Mischung auf den frustrierten, unreflektierten Leser, wird daraus eine explosive Mischung, die leider gerade in die Realität katapultiert wird. Plötzlich sieht man sich in seiner Meinung bestätigt, sieht sich als Teil der großen Masse und bekommt scheinbar gar nicht mit, wie sehr die eigene Meinung gelenkt wurde. Seenotretter werden zu Verbrechern degradiert, ihre Boote festgesetzt, während Menschen ertrinken.
„Selber Schuld“; muss ich lesen, „Wer sich in so n Schlauchboot setzt“, „Ertrinken lassen“…
„Absaufen!“ rufen besorgte Bürger, lassen sich dabei sogar filmen, während die Pegida auf der Bühne dazu animiert. Mit ihren Kindern stehen sie da und wünschen aktiv Menschen den Tod durch ertrinken. In einer Region, die auch seit Jahren von Überschwemmungen heimgesucht wird, wohlgemerkt. Ausgerechnet.
Sprechen wir hier von Ahnungslosen? Tälern? Abgründe!
Täglich setzen sich Rettungskräfte auf aller Welt ein, retten ihre Mitmenschen aus tatsächlich selbstverschuldeten Unfällen.
Rotzevoll gegen nen Baum gefahren? Lass brennen die Karre, isser doch selber Schuld. Ansonsten, weißte lieber Feuerwehrmann, biste nämlich mitschuldig, denn du hast einen Verbrecher gerettet, was denkst du dir denn bitteschön?
Lasst sie alle Verrecken, die ihr Leben waghalsig aufs Spiel setzten, so wie ihr das auch  von den Seenotrettern auf dem Mittelmeer fordert.
All die Skifahrer, Taucher, Surfer und ja, auch Fußballer, die für ihren Kick ihre Gesundheit aufs Spiel setzen. Oder die Oktoberfestalkoholleichen, sollen sie doch an ihrer teuerbezahlten Kotze ersticken. Da sollte man nicht mehr helfen, die wissen alle, man kann sich verletzen und gehen dieses Risiko ein. Also… verrecken lassen, Knochen splittern lassen und Blut fließen lassen, für selbstgewählte Wohlstandsverletzungen.
Wie soll ich das denn bitte sonst verstehen? Wer Flüchtige vor dem ertrinken rettet, wird als Schlepper angeklagt und  hier pampern unsere Pflegekräfte euren vollgefressenen sicheren Luxusarsch, den ihr für Spaß aufs Spiel setzt? Von unseren Steuergeldern?
Und dann war da noch die Fotze, die sich in den Kommentarspalten darüber beschwerte, dass der Europäer sich bei seinen Urlaubsreisen impfen muss und die Flüchtigen ihre Viren und Bakterien hier einfach so einschleusen und uns krank machen. Sowat darf verreisen. Jemand der es nicht rafft, die empfohlenen Impfungen zu seinem Wohl, dankbar anzunehmen, seine Reisefreiheit stattdessen als Belästigung ansieht und fordert, man soll Menschen ertrinken lassen oder nach Lybien –Anmerkungen der Redaktion, Lybien ist da wo gefoltert, vergewaltigt und versklavt wird, da schickt man niemanden hin– zurückbringen soll. So jemand darf seine europäischen Viren, Bakterien in der ganzen Welt verteilen, denn europäische Viren, sind gute Viren, oder wat…. Bah, ihr ekelt mich so an. Altaaa.
Der Deutsche ist schon immer gern geflüchtet, meist weil ihm, überspitzt gesagt, das Wetter nicht passte oder eben die Freiheit hinter einer Mauer rief.
Allein das wäre für mich eine ausreichende Begründung.
Um 1700 schon kam es zu Massenauswanderungen aus der Pfalz. Vom Krieg noch gebeutelt, Viehseuchen, Missernten, ließen die Sehnsucht aufkommen ins gelobte Land Amerika auszuwandern. Diese Sehnsucht wurde damals teilweise durch die Veröffentlichung eines Buches ausgelöst, dem goldenen Buch. „Ausführlicher und umständlicher Bericht von der berühmten Landschaft Carolina in dem Engelländischen America gelegen.“
Dieser Titel wär heut seo-mäßig schon ma nix. Damals hinterfragte komischerweise niemand dieses Buch, das eine glückliche Zukunft, in Amerika, unter Schutz und Förderung der Kolonialmacht England versprach. Es war scheinbar nicht wichtig, ob der Typ selbst da war oder eigentlich nur eine fiktive Reisegeschichte aufschrieb um neue Siedler anzuwerben. Fakten konnte man sich wohl schon immer noch selbst bissje zurechtschnitzen, bis sie passten. Kostenfreie Überfahrt, Landschenkungen, Religionsfreiheit, niemand stellte das in Frage, alle machten sich auf den Weg in Auffanglager und Zeltstädte nach England. Sie waren Teil eines Plans, sie sollten die Harzvorkommen entlang des Hudson Rivers sichern, andere, Protestanten, sollten in Irland ansiedeln um den protestantischen Teil der Bevölkerung zu stärken und wieder andere, Katholiken, wurden zurückgeschickt. Heute versklaven wir die vertriebenen Menschen, beim Obst- und Gemüseanbau in Italien und Spanien. Es scheint sich immer alles zu wiederholen, irgedwann sind sicher wir wieder dran.
Is warm, ne? Schwer Trocken, schlechte Ernten… so beginnt unter Umständen ganz großes Leid. Wo Hunger ist, sind auch Waffen… schaffst du es weiter zu denken? Danke.
Alle folgen wir dem Ruf nach Freiheit, Frieden und Überleben, so wie unsere Vorfahren und Nachfahren es taten. So wie wir es tun, wenn wir von Bassem nach Kowelenz ziehen, auch wegen der besseren Anbindung. Wir müssen gar nicht viel weiter, denn uns brennt es nicht unterm Arsch. Wir können uns über den Tag ernähren auch wenn wir vielleicht nicht immer satt sind, wir dürfen lieben, wen wir lieben, ohne Angst verhaftet zu werden.
Niemals musste ich in einem Luftschutzbunker Zuflucht suchen, ich lebe seit 44 Jahren in Friedenszeiten und dafür danke ich Gott. Denn ich darf diesen, meinen, deinen, jeden Gott benutzen wann ich will, ich habe die Freiheit, an ihn zu glauben wann und wie ich möchte, niemand zwingt mich, niemand verbietet es mir. Man belächelt mich, doch diesen Luxus kann ich leben.
Und das sollte jeder können, ohne dass sich andere darüber erheben. Jeder sollte den Ort an dem er lebt frei bestimmen dürfen ohne dafür sein Leben auf Spiel setzen zu müssen.
Und wem man das erklären muss, der hat seine Freiheit wohl nicht verdient? Wie geil das wohl ist, alles zurückzulassen um im Ungewissen, irgendwo zu  leben wo man nicht gewollt ist. „Die kriegen hier doch alles.“ Wenn es so wäre, was stört es dich?
Weil nicht genug für dich übrig bleibt? Du glaubst das wirklich, ne, dass wenn die Menschen absaufen, in 4 Wochen jemand klingelt und dir 412 gesparte Euro gibt?! So wie dir die Krankenkassen ihre Überschüsse immer zurückerstatten und ansonsten überhaupt alle dein Geld verschwenden. Sei doch einfach mal froh, froh dass du welches hast zum verschwenden. Ich wäre zum Beispiel voll dankbar, wenn du deine Bildung, die auch durch meine Steuergelder getragen wurden endlich nutzen würdest und auch mal brav danke sagst für unsere Solidarität und deine erhaltenen Zuschläge.
Und so könnte man ewig weitermachen… ich hab, du hast, die sind, ich nicht, alle nur ich nicht, Mauer… Mauuuuer.

Meine Luft is lange raus, fast 3 Jahre an der Counterspeech Front sind zu viel für jemanden wie mich, bevor ich mich also militanten Untergrundbewegungen anschließe, stelle ich meinen Kampf im Netz, gegen Hass und alternative Fakten noch mehr zurück.

Ich rekrutiere heute ausnahmsweise und bitte jeden, der sich gegen die menschenverachtenden, gefälschten Kommentarfluten stellen will. Wer sich aktiv engagieren möchte und sei es nur um andere mit likes bei Facebook oder Twitter zu unterstützen, sollte sich bitte über diese beiden Organisationen informieren und sich ihnen gegebenenfalls anschließen.
Ich bin hier
Reconquista Internet
Überhaupt solltet ihr, wenn ihr selbst nicht in der Lage dazu seid sie selbst zu verfassen, gute Kommentare und vor allem gute Beiträge unterstützen, liken oder teilen. Nur so kann dieses von Bots gefälschte Meinungsbild überhaupt entzerrt und die Kämpfer auch bei Laune gehalten werden. Du hast viel mehr Einfluss als du dir vorstellst und nutzt ihn zugleich weniger als du denkst.

2016 schon sagte man mir häufig per PN, wie wichtig meine Texte sind und wie gerne sie gelesen werden…
Schön, danke, soll aber keiner wissen, oder warum so heimlich? Also ich soll das schon wissen aber alle anderen nicht, ne? Wieso keine unterstützende oder als gelesen markierte Reaktion für andere Leser, quasi als Empfehlung da lassen? Um mir per PN in den Arsch zu kriechen is Zeit oder wat? Aber net für die Sache, oder? Man verlinkt auf Kommentare, Beiträge, doch beim Ersteller wird sich nicht mit einer Reaktion bedankt um das Gute weiter zu streuen.
Traurig, denn genau das verzerrt auch den Algorithmus und daraus resultierend die Wahrnehmung. Denn wenn nur die „Negativen“ ihren Rotz verteilen und sich gegenseitig pushen, dann ist deren Wahrheit irgendwann die gültige Wahrheit, klar, das habt ihr nicht gewollt, ihr wolltet euch nur nicht einmischen, nicht gesehen werden und so heimlich bissje mitlese. Es geht euch ja eigentlich auch gar nix an.
Wie traurig mich das macht oder ist es Wut, ich kanns nicht mehr auseinanderhalten.
„Ich halt mich raus“, höre ich oft, mit einem stolzen Unterton, fast so als wäre es etwas Positives, für nichts einstehen zu wollen oder zu können.
Das ist gefährlich. Verkehrte Welt, da passe ich weniger denn je hinein. Ich werde immer mehr zum Einzelgänger, denn ich gebe mir keine Mühe mehr. Keine Mühe mehr zu verzeihen, abzuwägen, ob es nun Hass oder Dummheit ist… Wer mir Fragen stellt wie: „Ach, du warst in Marokko in Urlaub… Jaja, aber Moment, warum kannst du in diesem Land Urlaub machen und andere müssen von dort fliehen? Das musst du mir aber mal erklären.“
Ich muss dir erst ma gar nix erklären, denn wenn du den Unterschied auf so süffisante Art erfragen musst, weil du ihn nicht herausdenken kannst, dann hast auch du Mitleid verdient. Sollte es noch jemandem unklar sein, es ist ganz einfach, als Tourist bringst du Geld mit. Das ist wie wenn du nach Thailand fährst und die Mädchen so unglaublich nett zu dir sind. Einfach so.

Außerdem kann man auch mal flüchten bevor Krieg is, wenn man also merkt, mit dem Land geht es Berg ab, dann macht man sich auf den Weg, gen Westen… je  nachdem woher man eben kommt, kommt man aus dem Osten, gab es in Deutschland tatsächlich auch schon mal Begrüßungsgeld, für Nix.
Herzlich Willkommen, in Deutschland. Selbstverständlich.

Das alles schmeckt mir wieder nicht, das hat nicht gut gerochen, es stinkt, dieses Europa und ich bin doch so geruchsempfindlich. Außerdem bin ich ordnungsliebend und kann auch mit Krach nicht mehr so gut umgehen. Doch die un-humanitären Situationen alleine in Europa, bringen mich dazu diesen Artikel zu verfassen, ihn ungeordnet schreiend hinzurotzen um meinen Kopf zu leeren, um meinen Groll nicht übermächtig werden zu lassen. Den ursprünglich ausgearbeiteten, mit Quellen unterlegten, sehr differenzierten Text habe ich gelöscht, so wie ich viele Entwürfe löschte. Sicher, ich hätte auch ohne Worte wie Fotze und auch mit weniger Arsch gekonnt, doch warum sollte ausgerechnet ich? Die Sprache verroht leider ohne mein zutun, daher berufe ich mich auf meine Skills in der Nische und die liegen eindeutig in der Authentizität, ungefiltert bietet diese Art des Ausdrucks auch eine gewisse Verlässlichkeit.
Wenigstens. Das.
Joah und sonst so?
Alles schick.
Unser renoviertes Schlafzimmer, das Waldhaus, ich, was interessiert mich die Welt da draußen? Was interessiert sich die Welt da draußen, für mich, das Waldhaus, mein renoviertes Schlafzimmer?
Eben.
Die Alex fragt,
die andern nicht.
Das Hippiemädchen demonstriert, Frau Monk dekoriert schon lange nicht mehr und die holde Gärtnerin baut wie im Wahn mehr Gemüse an um die Teilschuld des Sklavenhandels möglich gering zu halten. Nichts von alledem wird nennenswerte Erfolge bringen, doch aufgeben ist keine Option.

11 Kommentare zu “Von Sinnen, Halbjahresabrechnung

  1. Danke Alex. Du beschreibst meine Gedanken immer sehr gut und ich lese immer auch wenn ich nicht kommentiere. Wenn ich aber Kommentare lese, die mir aus der Seele sprechen, vergebe ich mittlerweile auch an Fremde Personen likes auf Twitter und Facebook. Am Anfang wollte ich mich nicht überall einmischen aber im Netz hat sich was verändert, das stimmt wirklich. Mach bitte weiter so.
    Sophie

    • Hallo Sophie, Dankeschön, das ist super, deine Unterstützung, auch wenn du nur einen Kommentar likest, der gegen Hass redet, der aufklärt und die echten Fakten nennt. Damit wird die gute Seite gestärkt und du nimmst Einfluss. In der Summe dann… Alles Gute für dich. L.g Alex

  2. Ein Super Artikel, auf den Punkt, danke.
    Maria

  3. Schön tacheles. Genau so. Genauso. Wie in meinem kopf. Und bauch. Danke. Lg

    • Es ist auchn Drama, welch unflätigen Worte einem in den Sinn kommen, um die Situation zu beschreiben. Doch ich finde leider keine anderen mehr und möchte mich auch gar nicht mehr bemühen, ich möchte diese Menschen einfach nur niederschreien, bis sie endlich aufhören doof zu sein…Allerliebste Grüße an deinen Kopf, deinen Bauch. Alex

  4. Wie schön es wäre, wenn Du ihre Doofheit niederschreien könntest…
    Ich schreie nicht, krieg ich nicht so gut hin, ich source das Niederschreien lieber out, ich teile jetzt! Von Herzen ♥, bleib tapfer 💪
    Ganz liebe Grüße, Kerstin

    • Ich mach das für dich. 🙂 Hier landet ja nur das was ich so gar nicht mehr bei mir halten kann. Es ist ja kaum mehr auszuhalten, wie Menschen ihre Lebenszeit mit Hass vergeuden. Liebe Grüße zu dir, Alex
      und sorry, für die späte Antwort, ich bekam es nicht angezeigt.

  5. Alice Brux

    Ich hab Dich durch die MiMaMeise gefunden.
    Klasse Artikel! Spricht mir aus der Seele.
    Liebe Grüße aus der Hauptstadt von
    Alice

    • Vielen Dank liebe Alice, für deinen Kommentar. Sorry, dass ich erst jetzt antworte, ist gar nicht meine Art, es wurde mir nicht angezeigt. Hab eine gute Zeit, lieben Gruß. Alex

  6. Alice Brux

    Dös macht ja nix!
    Lieben Gruß zurück!

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