Das Hippiemädchen, die Zähne des Löwen und der Meister des Waldes

Ich süßte gerade meinen Tee mit Löwenzahnhonig als sich die Stimme des Hippiemädchens meldete.

Tee mit Löwenzahnhonig süßen

„Das hätteste ja auch längst verbloggen können, das Glas ist schon halb leer. Über meine Sirup Variationen oder Heilkräutertees wird nie berichtet und überhaupt werden meine Interessen häufig ignoriert.“

„Weils nix Neues is und keinen interessiert.“ wirft Frau Monk gelangweilt ein.
„Aber alles schwarz anmalen ist toll oder was?“ wurde sofort zurückgezickt.
„Man kann das ja auch in Bunt nachmachen“. So wehrte sich die Liebhaberin der monochromen Einrichtung.
„Kannste eben nicht, dududu Farbnazi.“ Beendete das Hippiemädchen die friedliche Unterhaltung.
Frau Monk zog die Augenbraue hoch und griff in die Schale mit den Holz- und Metallkugeln neben sich …

Die holde Gärtnerin sprang dazwischen, mit einem Palmblatt wedelnd um den Streit zu schlichten und dem Hippiemädchen einen Vorschlag zu machen.

Das hörte aber gar nicht zu und motzte die Holde an: „Und Tomaten züchten, ist neu oder was? Und wie die Alex immerzu negatives Gedankengut verbreiten, ist neu oder was?“

„Ich habe die Löwenzahnwiese nicht gemääääääht!“
Die Gärtnerin schrie mehrmals laut gegen das Mimimi des Mädchens an, ich verstand nur:
„Määääh!“

Löwenzahnwiese ungemäht für Löwezahnsirup und Biennenfutter

„Du kannst also gerne noch ein paar Gläser kochen und verbloggen, wir können doch alle nicht genug davon bekommen.“
Nun etwas milder gestimmt, fragte das Hippiemädchen nach Waldmeister, die Holde bejahte und beide gingen dem Sonnenuntergang entgegen.

Frau Monk schüttelte den Kopf und verließ das Haus Richtung Werkstatt, ich vermutete, um die Deckel der Gläser schwarz zu sprühen, möchte aber keine weiteren Gerüchte streuen.

Alles fing vor Jahren im alten Haus an. Dort fand ich viele Bücher, darunter auch das umstrittene Buch: Heilkräuter aus der Apotheke Gottes von Maria Treben

Phytotherapie war schon immer eines meiner Lieblings Themen. Der Aussage,“Gegen jedes Leiden ist ein Kraut gewachsen“ stimme ich, differenziert betrachtet, zu. Solche Aussagen kann ich hingegen ganz gut ignorieren:
„Ich heile Krebs, indem ich mich hechelnd, entgegen dem Uhrzeigersinn in 666 Pflanzen packe, bei abnehmendem Mond und 13 °C, im Gras wälze und befreie mich; rufe. “
Peace.
Mit Gottes Hilfe reiche ich dann gerne lächelnd die Visitenkarte meines Therapeuten über den Tisch. Ernsthafte Erkrankungen, machen wir uns nix vor, gehören in die Hände der Schulmedizin.
Doch ich wäre nicht das Hippiemädchen, wäre ich nicht felsenfest davon überzeugt, Krankheiten vorbeugen zu können, indem ich mich in 666 Pflanzen packe entgegen dem Uhrzeigersinn, hechelnd, bei abnehmendem Mond und 13°C, im Gras wälze und befreie mich rufe. „

Nehmen wir den Löwenzahn. Der darf hier im Frühling erst mal wachsen. Zuerst essen die Bienen sich an ihm satt und dann wird gepflückt. Einige junge Blätter geben wir zum Salat. Gegen die Bitterstoffe hilft übrigens ein Bad in lauwarmen Wasser.

Löwenzahn aktiviert den Stoffwechsel, wirkt entzündungshemmend, antioxidativ, entschlackend und regt so die Nieren- und Gallentätigkeit an. Schöne Haut gibt es obendrauf. Kraut und Wurzel sind auch als Tee genießbar. In schlechten Zeiten und in der Vollwertkost, böse Zungen behaupten das wäre das Gleiche, wird die Wurzel geröstet und gemahlen als Kaffee verwendet.

Die stärkste Heilkraft enthalten die Pflanzen, bei Sonne am Mittag, also hat das Hippiemädchen 2 doppelte Hände voll gepflückt. So, wie die Maria es gewollt hätte.

Löwenzahnblüten für Löwenzahnirup

Löwenzahnsirup mit Rohzucker nach Maria Treben

2 gehäufte Doppel -Hände Löwenzahnblüten vom Stil drehen.
Hält man die Blütenblätter gebündelt fest, kann der Korb vom Stiel leicht abgedreht werden.
Das ist ein sehr wertvoller Tipp, denn die ersten Male haben meine bösen Flüche gleich jeglichen Heilzauber aufgehoben.

Löwenzahnblüten für Löwenzahnsirup zupfen

Blütenblätter mit 1 liter Wasser in einen Topf geben und zum Kochen bringen. Kurz aufwallen lassen, vom Herd nehmen.

Eine Nacht ziehen lassen, am nächsten Tag abseihen, die Blüten ausdrücken und die wertvolle Flüssigkeit auffangen.

1 kg Rohzucker und 1 EL Zitronensaft dazugeben und aufkochen, auf kleinster Stufe Flüssigkeit verdampfen und sieden lassen bis ein Sirup entstanden ist.
Mindestens eine Stunde lang köcheln sollte die süße Brühe, damit eine gewisse Festigkeit entsteht. Je länger, desto Honig ähnlicher wird es.
Ein Tröpfchen auf einem Teller gegeben, zeigt abgekühlt die Konsistenz an.
Wenn die angenehm ist, heiß in sterilisierte Gläser füllen und sofort verschließen.

Wir süßen damit im Alltag unseren Tee oder das Salatdressing. Altbewährt ist der Löwenzahnsirup – oder Honig aber vor allem als Hustensaft.
Das ist die erste Amtshandlung im Frühling, Unkraut zum Sirup verkochen.
Die Gläser halten solange, bis sie leer sind. Ein halbes Jahr aber sicher, sie werden bei uns zusätzlich gut gekühlt, wie ihr auf dem Foto seht.
Waldmeistersirup Rezepte

Der Waldmeistersirup hingegen, wurde nur eingekocht, weil der Kerl von Waldmeisterbowle schwärmte. Das Hippiemädchen wollte dann natürlich beweisen, wie das in richtig schmecken kann und traf die Vorbereitungen. Der auf dem Bild schon blühende Waldmeister wächst hier überall und am liebsten im Schuttberg.

ister für Waldmeistersirup

Waldmeister ist lecker und duftet unvergleichbar. Dafür verantwortlich ist Cumarin, das schlecht für die Leber ist und Kopfschmerzen hervorruft. In welcher Menge genau, weiß kein Mensch. Nur die Blätter verwenden und keinesfalls mehr verwenden, wenn die Pflanze geblüht hat, ist allerdings Fakt.

Waldmeistersirup nach dem Hippiemädchen

Von 1 Bund Waldmeister die Blätter abzupfen und einen Tag lang an welken lassen, erst dann entfalten sich alle Wirkstoffe und der Duft wird wahnsinnig intensiv. Wenn es schnell gehen soll, 20 Minuten einfrieren, ist eine Notlösung.

500 Gramm Zucker in 1liter Wasser auflösen.
Saft einer Zitrone hinzu und aufkochen, kurz aufwallen lassen, abkühlen lassen.
2 Bio Zitronen in Scheiben schneiden, alles zusammen nun abdecken und 3 Tage lang ziehen lassen.

Alles in saubere Gläser füllen und für Süßspeisen, Getränke und Mai Bowle zu verwenden.

Der Waldmeister hat natürlich auch noch andere Qualitäten, wirkt krampflösend, beruhigend und schlaffördernd. In der richtigen Dosierung, die wie gesagt keiner kennt, soll der Meister auch bei Migräne und Leber- und Gallenbeschwerden helfen, statt sie hervorzurufen.
Da ich kein Milchmädchen, sondern das Hippiemädchen bin, geht die Rechnung für mich nicht auf. Ich bekämpfe meine Migräne anders, werde aber durchaus den beschwingten Effekt der Maibowle ausloten, im Dienste der Wissenschaft werde ich die Kopfschmerzen am nächsten Tag tapfer ertragen, natürlich.

 

Glaubt ihr an die Heilkraft des Krautes?
Das Hippiemädchen fragt sich, ob das für euch alles Mumpitz ist?

16 Kommentare

  1. Schade,schade,hier leider keinLöwenzahn mehr zu finden, sind leider schon Pusteblumen…. Aber für nächstes Jahr werde ich mir dieses Rezept merken!!! Stellt sich mir allerdings die Frage, da ich ja seit Januar weitestgehend Zuckerfrei lebe, meint das Hipöiemädchen, das klappt auch mit Ahornsirup, Agavendicksaft oder auch Reisblütensirup? Evtl etwas weniger Wasser damit es Sirup wird???? Fragen über Fragen die ich mir nach Deinef Lektüre stelle liebe Alex…..
    LG Sanne

    1. Der Löwenzahn hört ja nicht auf einmal auf, er blüht bis Juni und kommt meist im Spätsommer nochmal, vielleicht findest du noch eine ungemähte Wiese irgendwo. Ich kann dir jedoch nicht aus Erfahrung sagen wie es sich mit dem Zucker verhält. Der ja, wie ein Alkohol der haltbarkeit dient. Du könntest kleine Mengen für den raschen Verzehr eventuell ersetzen, das kann ich dir aber nicht sagen. Unbehandelter Roh-Rohrzucker wird hier übrigens benutzt, kein Industriezucker. .-) L.g Alex

  2. Also da kann ich mit deinem Wissen nicht mithalten. Bei Kopfschmerzen begeben wir uns in die Rückenlage und verdunkeln den Raum. Nicht ohne vorher eine Tablette eingeworfen zu haben. Aber gerne nehmen wir schon mal die kleinen weißen Kügelchen. Die wirken hier bei Mensch und Hund. Mehr Kräuterzauberei findet sich hier allerdings nicht. Aber hier ist ja auch alles aus den Beeten gerupft worden. Löwenzahn gibt es allerdings mehr als genug beim Nachbarn. Nicht immer ein Vergnügen. Aber so ein Sirup für Tee oder Salat könnte hier auch gefallen. Und natürlich selbstgemachte Marmelade. Liebe Grüße vonne Couch, Sabine&Paula

    1. Ich bin ja eher die, die es vorbeugend mit Heilkräutern versucht. Seitdem habe ich allerding auch kaum noch Erkältungen. Der Löwenzahnhonig oder Sirup schmeckt wirklich honiglich und wenn ich mir den Wirkstoff ständig innen Tee reinhau, denkt sich da Immunsystem… pfffthhzz— so war meine Idee und es klappt seit einigen Jahren. ☺ Glaube ist alles. Grüß dich lieb vonne Bank, Alex

      1. ja dann werde ich wohl mal den sprung über nachbars zaun wagen müssen. brennesseln züchtet er übrigens auch in massen. direkt am heimeligen gartenzaun :(. mir ahnt da was, du machst was draus? vorbeugen hört sich gut an. plagt mich doch gerade wieder eine hartnäckige bronchitis. ich glaube ich muß mich da mal einarbeiten. mit steigenden alter kommen hier die wehwehchen ;). grüße vonne couch, sabine&paula

        1. Brennesseln sind großartig, ich selbst mache leider nichts mehr außer Brennesselsud für die Pflanzen. Da kommt keine Blattlaus mehr dran. Ich schau mal ob ich da was nettes im Repertoire hab. Ich hatte immer Bronchitis, wegen Friseurdämpfen und Tabakrauch. Das habe ich eingestellt, kaum besserung, jetzt im Wald mit Löwenzahnhonig ist wenigstens die Bronchitis gut.:-) Lieb gegrüßt, alex

  3. Gehört und gelesen: ja. Selfmade: neverever.
    Ich versuche mich gerade eher an total ungesunden Dingen wie Kuchen, Nachtisch und gepimptem Weißbrot. Also selber gebacken und geköchelt. Herrlich kacke für die Figur, aber so watt von lecka!!!
    Mit Gemüsegarten und Weckgläsern starte ich erst, wenn ich Rentnerin bin. Hochbeet versteht sich. Enkelkinder mit gesundem Essen versorgen und so. Hahaha.

    Die, die einen Clown gefrühstückt hat, knutschert Dich wie immer dollst!!!

    1. Wat, du die jahrelang kein Brot gegessen hat wegen Kohlenhydtraten machst nu in Weißbrot? Of so ne Idee kannst ja nur du kommen. 🙂 Ich leb ja eigentlich total gesund, mach mir aber mit meiner Cola alles kaputt, deshalb, fürs Gewissen wird jede Zusatztsüße nun kurz mit Alibi Heilkraut versetzt. 🙂 ich hab daa so gemacht mit den Gemüsegarten und Weckgläsern, zum Glück ohne Enkel und leider etwas viel zu früh :-(.
      Zurückgknutscht, den Clown. ☺ Alex

  4. Yeah Alex, ein toller Post! Schön, dass du uns an deinem Naturwissen Teil haben lässt!
    Eins frage ich mich allerdings: schmeckt Waldmeister „nur“ oder ist der auch für was gut?
    Löwenzahn als Salatdressing – hört sich super an, zumal ich gesunde Salatsoßen echt schwierig finde!
    Gerne mehr davon! Ich drück dich 😀

    1. Danke Souhela. Ich bin geradé ja parallel in Waldseminar vorbereitung 🙂 Der Waldmeister ist wie oben beschrieben heikel, das sich die Nebenwirkungen und die Heilwirkung wohl quasi ähnelt und nur durch die Dosis die niemand kennt unterscheidet 🙂 Das Cumarin, auch in der Tonkabohne ist ja für diesen ganz besonderen Geschmack und Duft verantwortlich. Ich süße mit dem Löwenzahnhonig meine herkömmlichen Salatsaucen. Liebe Grüße zu dir. 🙂 Alex

  5. Das hört sich prima an. Fleißiges Bienchen.
    Gerade suche ich eher was gegen diese gemeinen Nudistenschnecken. 😏😫😣
    Die futtern meine wunderschönen Hostas auf. 😡 Für Tipps bin ich überaus dankbar. Gegen die fiese Keule bin ich eigentlich. Aber die kriechen auch über Pinienrindenmulch (nur im Hostabeet) und die umpflanzten Farne halten sie auch nicht ab. Mäh.
    Die Nachbarn Funzeln des Nächtens immer im garten rum. Wir bräuchten etwas länger, zu begreifen, dass sie die Schnecken absammeln. Aber sorry, mein Nachtschlaf ist mir heilig und mein Bier trinke ich lieber selbst (darin baden sie nach dem aufsammeln, örgs).
    Es grüßt die Schneckengeplagte (und Läuse! Was hilft da? Gebräu aus Brennessel?! Wielange muss das ziehen? Dann in eine sprühflasche?), Nadine

    1. Schnecken? Hach Schnecken. Also Bier lockt wohl auch alle anderen im Umkreis an. 🙁 Ich mach mir keinen Kopp, denn ich hab Vögel, ich hab Kröten und alles was sich sonst gegenseitig irgendwie klarmacht. Bei angefressenem Salat, suche ich bei feuchtem Wetter, nach Regen mal in der Umgebung unterm Stein nach und dann hilft nur die Schere. Legste ein Brett mal hin und vielleicht kannste sie darunter dann absammeln? Brennnesseltee gegen Läuse und zur Stärkung der Pflanze, Brennessseljauche. Recherchiere mal, was du brauchst. Ich sprüh aber meist erst mal mit Spüli-Wassergemisch und zieh die Läuse auch mitm Finger ab, dann kommen die Marienkäfer und es ist meist Ruhe . Liebe gRüße, lass dich nicht ärgern, meist reguliert es sch von selbst, wenn man einen Moment wartet. Liebe Grüße, Alex

  6. Im meiner alten Wohnung gab es nahezu den ganzen Frühling-Sommer-Herbst über Löwenzahn auf der Wiese hinter dem Haus – für Tee und Salat. In der neuen muss ich wohl erstmal noch eine Quelle auftun. Denn den Sirup will ich auf jeden Fall mal ausprobieren.

    Liebe Grüße,
    Sarah

    1. Ja, so ist das hier auch, zum Leidwesen manch anderer, Löwenzahn is immer da. 🙂 Ist aber ja auch für die Bienen wichtig..-) Ich hoffe irgendwo in deiner Umgebung ist ne ungemähte Wiese. Liebe grüße zu dir, Alex

  7. Jaaa! Den mag ich sehr. Letztes Jahr hab ich den Löwenzahn auch in Flaschen gehauen, dieses Jahr noch nicht – irgendwie fehlte immer die Zeit. Ich war grad im Garten und hab schon die ersten Totalverluste verzeichnen müsse. Kein einziger Kohlrabi, alles von den Schnecken vernichtet. Also bei uns reguliert sich alles zu unseren Ungunsten von allein 🙁 Aber ich bin ja meist auch nicht abends dort, kann also schlecht Viecher absammeln. Tja, da muss ich eben auf die Wildkräuter setzen, denn Löwenzahn, Giersch und Co. wachsen prächtig (wieso mögen die Schnecken das eigentlich nicht?) Liebe Grüße, Ulli

    1. Och nee, alles geräubert. Die doofen, ich bin ja überzeugt würdest du dich in den Garten stellen und laut rufen, wir pflanzen nun Bratwürste an, die würden uns auch die vom Grill klauen. Die denken Giersch und Löwenzahn interessiert uns nicht. So welche sind das, Sadisten Schnecken. Pah. Und langsam sind die ja auch nicht. ☺ Draupen regnets, JETZT müsste ich mit der Scher los :-). Außerdem dachte ich heut morgen an dich, als ich Sushi Fische auswusch:-) liebe Grüße, Alex

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