Raus aus dem Tomatenhaus

„Faules Gesocks, jedes Jahr dasselbe mit euch, ich hab die Schnauze voll, endgültig !“
Lautstarkes Gezeter störte meine Ruhe, diese Worte hatte ich genauso, schon einmal im letzten Jahr gehört und im Jahr davor und sicher erinnert sich auch der ein oder andere von euch noch daran.
Vorsichtshalber schaute ich aus dem Fenster und sah, wie die holde Gärtnerin 2 Pflanzen im hohen Bogen aus dem Gewächshaus warf und schimpfte, nun müssten wir alle verhungern. Alle!
Ich begab mich also in die Höhle der Holden und fragte zaghaft nach.
„Wasn los?“
„Die Schweizer und die Italiener, alle faul, schrie sie mich an, alle!“
„Na, du brauchst ja nicht gleich politisch werden, was haben denn die Tomaten damit zu tun?“
„Ich – Meine – Die Tomaten!“
Ihre Stimme überschlug sich fast und ich hielt vorsichtshalber Ausschau nach dem Hippiemädchen, mit der beruhigenden Wirkung.

Die holde Gärtnerin lernt ja aus Fehlern und sammelt die Erfahrungen in einem kleinen Buch um diese Fehler nicht noch einmal zu begehen, im letzten Jahr zum Beispiel, hatten alle Tomaten Fäule in verschiedenen Variationen, weil sie ungeschützt im Regen standen. In diesem Jahr allerdings wohnen sie im Gewächshaus und schienen Anfangs dem Ziel, die Weltherrschaft übernehmen zu wollen, gefährlich nahe.
Bis heute. Heute nämlich zeigten die Tomaten ihr wahres Gesicht.
Die Zucker Tomaten, bescheren uns seit Wochen zuverlässig eine tägliche kleine Ernte und die Ochsenherz Tomate, wächst stetig, doch noch ist keine der Riesen errötet.
Einzig und alleine die Sorten Berner Rosen und San Marzano, von der Gärtnerin liebevoll Italiener und Schweizer genannt, zeigen wiederholt Schwäche und gammeln im Anfangsstadium, grüne Früchte der anderen Tomaten allerdings zeigen noch keine Symptome.

 

„Im nächsten Jahr baue ich eine Armee robuster Russen“ an, grummelte die Gärtnerin und ich nickte zustimmend.
„Die Sorten Russische Schönheit oder Sibirisches Birnchen hören sich auch viel individueller an als so en abgenudeltes San Marzano Gedöns oder Tomaten die denken sie wären Rosen aus Bern“, sagte ich und ich sah ein Lächeln über die Gärnerinnenlippen huschen, kurz. Ich atmete auf, denn wütende, mit Gartenschere bewaffnete Gärtnerinnen sind unberechenbar.

Es gibt noch insgesamt 8 Pflanzen, darunter sind zum Glück auch noch 2 gesunde San Marzano Pflanzen, die wir allerdings gut im Auge behalten, da sie wie die Coeur de Boeuf fest für Tomatensoße eingeplant ist. Wir reden das ganze Jahr von der Winterration Tomatensauce, so langsam kann ich die holde Gärtnerin verstehen. Auch wenn die Pflanzen der Zuckertomaten sehr ertragreich sind, die sind eher für den sofortigen Verzehr geeignet. Die Saucentomaten sind uns wichtig. Eigentlich hatten wir auch noch eine Sorte namens Rotkäppchen und goldene Königin ausgesäät, erinnert sich jemand? Wo sind n die?
An dieser Stelle sollte eine Verlinkung erfolgen; zur Aussaat Reportage, Anfang März, 2015 und für die besonders ehrgeizige Bloggerin auch zu März 2014, zum direkten Vergleich aber …
und jetzt alle:
„Der Blog ist noch tot!“
Neuen Lesern sei an dieser Stelle erklärt, der Blog wurde wiederbelebt, noch immer fehlen dem Blog anderthalbjahre einzelne Sequenzen, bis hin zu den Anfängen von SchönTacheles.
Natürlich wird das im Laufe der Zeit behoben und ihr könnt euch schon auf das stöbern in weit über hundert Beiträgen freuen:
Der holden Gärtnerin ist das im Moment allerdings ziemlich egal und sie flucht und schimpft, weil sie ausgerechnet das nicht im Buch vermerkt hat, ausgerechnet. Auf die Technik hat sie sich verlassen, meckert und schimpft und fühlt sich nicht ernst genommen. Ihr wisst schon das ganze, völlig überzogene, „Wofür mache ich das alles eigentlich?“ Geheule.

Dabei gibt es gar nichts zu heulen, unter anderem verrichtet die Zucchini gewohnt zuverlässig ihre Arbeit und die Zucchinisalsa Produktion läuft in vollen Zügen. An dieser Stelle sollte eine Verlinkung zum Rezept von 2014 … aber das Rezept ist auch da, da wo der Blog ist.

In Sachen Zuckerschoten werde ich im nächsten Jahr reduzieren aber häufiger nachsäen um regelmässigere und kleinere Ernte zu erhalten, eine Nachsaat erwartet wir noch.
Auf dem frei gewordenen Platz im Gewächshaus habe ich Spinat ausgesät auch hier testweise auf kleinerer Fläche als im Frühjahr. Bevor ich euch jetzt wieder den kompletten Gemüsegarten präsentiere und Fotos von der täglichen Ernte, in wechselnden Behältnissen zeige, kümmere ich mich lieber um das Terrassen drumherum, vielleicht gibt es dann auch bald mal etwas dekoratives zu sehen, Blömscher und so.

Die anderen Mädels können die Intensität mit der die Gärtnerin die Prioritäten setzt, nicht verstehen. Sie würden auch auf den Gemüsegarten verzichten zu Gunsten eines … Schwimmteiches. Bis sie die süß aromatischen Erdbeeren und Himbeeren naschen dürfen, das erste Tomatenbrot den Sommer verkündet und die Kräuter den Quark verzaubern, dann baden sie nämlich am liebsten in meinem Gemüse, sagt die holde Gärtnerin und fragt euch, was sie denn jetzt unbedingt noch für den Herbst aussäen und pflanzen muss?

 

11 Kommentare

  1. Hm, watn Scheiß. Die ganze Mühe mit dem Gewächshaus und jetzt doch Verluste… aber wenigstens stehen die Zucchini ihren Mann. Oder Frau? Öh. Sie stehen… ihren Kürbis?! Wusstest Du, dass man sogar die Blüten essen kann? Macht man denn mit denen? Kochen? Backen?

    Meine Tomätschas sind übrigens weiterhin fleißig am Abgehen. Die erste frische Frucht hab ich Freitag gepflückt. Heute, nach einem ausgiebigen Regenerations-Schlaf nach meiner Rückkehr von der Nature One (hab da an der Bonkasse gearbeitet – Details zu diesem lustigen Wochenende inklusive Bonus-Story „Kevin und die Polizeikontrolle – Clever&Smart vs. Möchte-gern-Columbo“ folgen), habe ich mir dann ein gutes Tomaten-Brötchen zum „Frühstück“ gegönnt. Sau geil. Aber die saufen ja, wie die Löcher! Ma paar Stunden kein Wasser, direkt die Köpfe am Hängen lassen… die Memmen! 😉

    Soo… mein guter Kumpel Benny pennt grad auf meiner Couch (er baut die Nature wieder ab)… ich glaub, dem rasiere ich gleich mal die Augenbrauen ab und male ihm anschließend mit Edding einen erstaunten Blick auf. *kicher* 😀

    Auf bald! 🙂

    1. Na ich bin zufrieden,2 Verluste, 8 hängen prall und ungefäult. Da die holde ja irgendwann das ausgeizen eingestellt hat, wachsen die jetzt im Bogen nach unten.:-) Zucchiniblüten kann man wichtig in Bierteig wälzen und dann anbraten, wenn die Ameisen dir nicht zuvor kommen. Ansonsten ersetze Ameisenfüllung durch Ziegenkäse 🙂 Stimmt du hast ja da gearbeitet und zuckste noch? Dat wär wat für mich, eppileptische Anfälle und aggressionen wären nur abzuwarten.:-)Ich bin sehr gespannt auf deinen Colombo Bericht, wem haste denn den Trenchcoat geklaut, oder des Clevers Brille… smart? .-) Die Tomätschas kriegen alle 2 Tage Wasser von mir. Der Benny wirds sicher erst mal nicht merken und sich wundern warum die kassiererin so erstaunt guckt. Haha. Dau Bunnes. L:g Alex P.s Die Gedichte des betrunkenen sind gelesen und für nun ja, sehr alkoholgeschwängert befunden. 🙂

  2. Ohoh, wer die Gartenschere-bewaffnete Gärtnerin kennt: ducken, leise oder gar nicht sprechen – und wenn – dann NICHT direkt in die Augen schauen ;))))))) Ja, die blöde Fäule hatte letztes Jahr fast alle Soßentomaten gemeuchelt *grrrrrrr* Die süßen Cocktailtomätche dagegen waren herrlich errötet und lecker und ertragreich. Ok ok, die holde Gärtnerin unter und weiß, dass ich mehr für die Ernte, als für die Pflege zuständig war. Und die Minze wuchs wieder gen Himmel – soviel Detox-Wasser konnt ich gar net trinke ;)))) Wie auch immer. Was selbst gepflanztes, gehegtes und gepflegtes ist ein Traum und erfüllt einen mit Nobelpreis-ähnlichem Stolz. Aber Personal, dass sich drum kümmert, erfüllt mich noch mehr lol 😀

    Das verschollene Rezept musst Du finden, bitte. Deine Mojo’s sind schon ein (gern kopierter) Traum! <3

    Ich habe wieder jede Zeile Deines Beitrags genossen und aus tiefstem Herzen gelacht. Ich freue mich schon, Deinen Garten-, Deko-, DIY- und Wohn-Erlebnispark zu besuchen, der ja nicht mehr lange auf sich warten lassen kann. So!

    1. NICHT in die Augen schauen, wie gut du sie kennst die holde. 🙂 Du hast doch die holdeste aller Gärtnerinnen unter dir wohnen, Personal par excellence sozusagen, sie sei lieb gegrüßt, übrigens. Ich hätte längst geantwortet, hätte ich mich nicht mit so vielen Dingen rumschlagen müssen. Sonne, Fußnägel, Stadtwohnung besichtigen und vor allem geschäftliches auf Englisch regeln 🙂 Mein Englisch is nääämlich perfect, un et matcht, wollte ich nur mal erwähnt haben.:-) Gröööhl 🙂 Jo, vielleicht schaffstet ja mal im Winter in den Erlebnispark, die Woche über, wenn wir beide Stroh Witwen. Die Rutschen sind aber dann saisonal geschlossen :-). Drück dich, Alex

  3. Oh. No.
    Meine Tomaten haben’s auch nicht geschafft. Die hat das Bremer Wind-Regen-Wetter erledigt. Leider. Geauso wie die Sonnenblume. Die ist einfach in der Mitte durchgebrochen und vom Balkon gekippt. :/ Nur dem Brokkoli, dem geht es gut hier im Norden.

    Ich drücke die Daumen für den Tomaten-Rest. Und natürlich auch für die Sache mit der Soße.

    Liebe Grüße zu dir in den Garten,
    Sarah

    1. Ach je aufm Balkon oder am Fenster is ja immer schwierig mit hohen Planzen, meinem Papa hats 2 Kästen komplett rausgerissen. 🙁 Die Bremer Winde sind da sicher noch aktiver 🙂 Broccoli hatte ich noch nie, ich will Grünkohl versuchen… Danke fürs Daumen dücken, nächstes Jahr kannste gerne Saatgut von mir haben, wenn du auf neuem Terrain gärtnerst. Dill habe ich erst entnommen-l.g alex

  4. Da ich ja erst seit diesem Frühjahr hier das Gärtnern übernehmen mußte, habe ich mich noch gar nicht ans Gemüse ran getraut. Obwohl ich mir Tomaten aus eigener Ernte sehr gut vorstellen könnte. Die aus dem Supermarkt schmecken nun ja nach Nüschts. Die holde Gärtnerin anzupumpen bringt ja nun auch nichts mehr, wo sie gerade schon aus dem Gewächshaus wirft :(. Wir essen dann wohl weiter Spaghetti Carbonara mit Sahne und Schinken (und träumen weiter von Größe 42).
    Es grüßt euch lieb mit der Möpp vonne Couch, Sabine&Paula

    1. Tomaten sind ein Muss. Ich habe vor Jahren angefangen mit nem Topf auf Balkon und seit dem versuche ich mein Glück jedes Jahr,es gab schon viele Einbußen aber der Geschmack einer eigenen Tomate ist unübertrefflich. Im nächsten Jahr mach ich ne Umfrage, dann könnt ihr im Februar vorbestellen und ich gehe in Tomaten Produktion, ich ziehe ja immer selber aus Tomatenglibber 🙂 L, g und scheiß auf 42, wie gesagt, nur die vermeintliche Antwort auf alle Fragen, Carbonaraaaaaa…. sing 🙂 grüße von Couch zu Couch.Alex

  5. Liebe Alex!
    Ich bewundere die fleißige Gärtnerin!!! Und Tomaten sind wirklich ein Muss! Meine Mum hat dieses Jahr auch richtig Probleme mit Ihrer Aussaat. Irgendwie will nix richtig wachsen und gedeihen, außer den uralten Sträuchern…. Und es geht auch all ihren Bekannten so… Kein Gemüsejahr in Schweden. Also genieß was Du ernten kannst, es könnte schlimmer sein????
    LG Sanne

    1. Dank dir Sanne.:-)das tut mir leid für die Schweden, so ging es mit im vorletzten Jahr mit Gemüse und im letzten mit Blumen. Ich bin ja sowieso zufrieden, die holde Gärtnerin ist ja so perfektionistisch wie die Frau Monk in Sachen Interieur :-)Miiiiir hingegen is alles egal.-)l.g Alex

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