Der Gemüsegarten, ein Arbeitsplatz ohne Schön

Die Eisheiligen sind vorüber, es wird Zeit über den Gemüsegarten zu sprechen.
Der Arbeitsplatz der holden Gärtnerin ist Entspannungsraum, Produktionsstätte und Speisekammer zugleich.

Bei strahlendem Sonnenschein im Strandkorb entspannen und über die Tätigkeiten im Gemüsegarten nachdenken, so mag ich das. Falls Bewegungsdrang vorhanden, hier und da etwas harken, eventuell am Abend gießen, Ernten. Doch ausgerechnet heute regnet es, ich habe mich deshalb auch nicht länger als nötig draußen aufgehalten, sondern einfach schnelle Fotos gemacht. Der Gemüsegarten ist somit ungeschminkt zu sehen, ohne drapiertes Schürzchen, für schön. Ausnahmsweise geht es mal um Dokumentation, statt Dekoration. Wer mich etwas kennt, ihr wisst, welch große Hürde ich auf mich nahm, bei diesem Wetter den Fotofinger überhaupt nur zu bewegen.

Im vorletzten Jahr berichtete ich euch noch von meiner Samenbank und Aussaat, im letzten Jahr präsentierte ich wenigstens noch meinen Jungpflanzen, dieses Jahr habe ich sogar die selbst ausgesäten Pflänzchen schon ohne euch  ins Gewächshaus gesetzt. Die holde Gärtnerin geht immer noch davon aus, Besamung, habt ihr euch gemerkt.

Gestern wurde das Gewächshaus dann auch endlich mal sauber gemacht, naja sauber is anners von klebrigem Blütenstaub befreit und siehe da, es war sonniger als gedacht.

Das ist auch wichtig, denn wie ihr wisst, hier werden unsere Tomaten in den nächsten Monaten wohnen. Folgende Sorten habe ich in diesem Jahr ausgesät und im Haus vorgezogen:
drei San Marzano und zwei Coeur de Boeuf für Tomatensoße, im rechten Beet. Diese beiden Sorten haben im letzten Jahr gute Erträge gebracht. Das Basilikum wurde erst vor Kurzem aus dem Topf gerettet, das vertrocknete Eichenblatt, ist zur Betreuung da.

Tomaten im Gewächshaus

Links habe ich drei Pflanzen Berner Rosen gesetzt, die sind im letzten Jahr nicht aufgegangen, kenne ich somit selbst noch nicht. Von unserer liebsten Naschtomate, der Zukkertomate, eine sehr süße, robuste Cherrytomate, habe ich zwei behalten. Die eingebuddelten Töpfe sollen übrigens das Wasser direkt zur Wurzel transportieren und die Gefahr, der Kraut und Braunfäule durch Spritzwasser minimieren. Noch ist nicht jede Pflanze ausgestattet.

Da in diesem Jahr alle Pflanzen hervorragend aufgingen und anwuchsen habe ich eine Menge Tomaten verschenkt, denn die armen sitzen ja jetz schon recht eng. Darum gibt es ausnahmsweise noch Tomaten in Töpfen und einer alten Antenne als Tomatenstab. Rotkäppchen, im linken Topf soll angeblich eine kleine Tomate sein und die Tigerella wird gestreift.
Tomaten in Töpfen

Ratet wer die Gestreifte angeschleppt hat? Genau, der Kerl wars denn das ist nämlich so ein Männerding, wie Peperoni. Die konnte ich übrigens ertauschen und bin gespannt, wie sie sich im Gewächshaus machen- Pimientos di Padron und irgendwelche russische Kugeln.

In dem großen Zinktopf bewahre ich Anzuchterde auf, mit einem Brett darüber kann ich den Kindergarten gut im Auge behalten. Kresse wird ständig nachgesät, zur Erinnerung klemmt die Gärtnerin das Saatgut direkt am Arbeitsregal fest.

Regal aus Wenkisten für Gartenwerkzeug

In alten, gestapelten Weinkisten bewahre ich Saatgut, Drähte, Schnüre, Gartenscheren und Gedöns auf. Ach geh, jetzt hängt da die Schürze, na wenigstens hängt se nicht schön.

Mittlerweile kennt die Gärtnerin sich aus, weiß wann und wo die Sonne aufgeht und welcher Pflanze was am besten bekommt. Alle Hoch- und Tiefbeete haben sehr gute Dienste geleistet. Deren Entstehungsgeschichte möchte ich hier unbedingt noch einmal dokumentieren, denn die ging beim Blogumzug verloren.

Draußen wird natürlich auch angebaut, um möglichst selbstversorgend leben zu können.

Kräuter und Gemüsebeet im Garten

Beide der ausgesäten Zucchini sind gut angegangen, es ist also mit einer Zucchini Schwemme zu rechnen. Daneben finden Zuckerschoten ihren Platz, die sich gerade einer Rankerprobung unterziehen müssen, noch habe ich keine gute Möglichkeit gefunden, die zarten Ranken optimal zu leiten. Nun können sie sich auf der gebogenen Drahtkuppel ablegen, so der Plan.  Der klägliche Rest des aufgegangenen Spinats teilt sich den Platz mit dem Schnittlauch. Das ist übrigens ein Supermarkttöpfchen. Geteilt und mit neuer Erde versorgt, bildet er innerhalb kürzester Zeit neue Zwiebelhorste.
Nachtrag: Der ausgesääte Spinat, is gar kein Spinat. Warum auch immer sind da Ringelblumen gekommen. Ich habe die meisten leider rausgerissen, weil der vermeintliche Spinat geschossen is, bevor ich ihn essen konnte, außerdem war er komisch, für Spinat. 🙂

Im Kräuterbeet dahinter reißt der Salbei die Weltherrschaft an sich, der wuchernde Thymian wurde schon im ganzen Garten verteilt und das Bohnenkraut hält sich auch nicht an die Regeln. Rosmarin und Ysop hingegen sind nicht so zeigefreudig und der Lorbeer ist geplündert. Die Holde überlegt das Beet aufzulösen, die Kräuter in Töpfen unterzubringen und das Beet anderweitig zu nutzen, befürchtet aber arge Verluste.

Erdbeerbeet im Garten

Hier seht ihr das Erdbeerbeet, in dem sich die späten Erdbeeren scheinbar wohl fühlen. Ich freue mich, denn unsere Himbeeren wurden sich selbst überlassen und bringen sicher keine großen Erträge.

Weiter geht es mit dem richtigen Hochbeet, dort wächst der Pflücksalat, der uns regelmässig mit knackigem Salat versorgt.

Salat und Rote Beete im Garten

Dazwischen wachsen zarte Rote Beete Pflanzen, die im Gegensatz zum Salat in der Tiefe die Knollen bilden und dort den Platz ausnutzen, den der Salat oberhalb für sich beansprucht.

Links treiben die Buschbohnen gerade aus, noch sind sie sehr klein und genau deshalb habe ich diese Bohnen ausgewählt, die das Wachsen verlernt haben. Stangenbohnen kamen hier nicht in Frage, Rankhilfen lassen sich nur schlecht in diesem Boden verankern und Hochbeet ist ausgeschlossen, weil die Bohnen sonst in den Himmel wachsen und nicht mehr erreichbar sind.

Buschbohnen im Hochbeet

Ansonsten wachsen hier noch Kamille, Petersilie und verschiedene Minzen in Töpfen oder im Schattenbeet. Petersilie bevorzugt Halbschatten und seine Ruhe. Seitdem sie alleine im Topf stehen darf und ich Schatten spende, habe ich das erste Mal Erfolg mit dem Anbau von Petersilie.
Ich sag ja immer leicht provokant, es gibt keinen grünen Daumen. Hält man sich an die Regeln die sich Generationen von Gärtnern erfolgreich erarbeiten und praktizieren, klappt das auch. Wenn man aber, wie ich, 20 Jahre, Kamille neben Minze ins Beet pflanzt, weil es  ja auch für Tee ist und so schön nebeneinander passt, gehöre ich eben bestraft.
Befasse ich mich mit dem Kraut und lese, das sind schlechte Nachbarn, die Kamille freckt in Gesellschaft, die is nämlich total asozial. Dann klappt es auch mit dem Nachbarn.

Kamille im Garten

Hätte ich die Kamille doch nur gestern in der Mittagssonne geerntet. Morgen ist nur noch ein verregneter grüner Haufen übrig aber man kann ja nicht an alles denken.
Der grüne Daumen ist streng genommen also eine Menge Arbeit, Schweiß und Tränen und Schweiß.

Palette als Blumenregal im Garten

Wahre Pflanzpläne stellt die holde Gärtnerin im Winter zusammen, um die Gemüseernte über möglichst große Zeiträume im Jahr zu sichern. Wer verträgt sich wo, mit wem und warum eigentlich nicht?
Unter Beachtung von Fruchtwechsel, Verträglichkeit und Co. die Beete zu besetzen, gleicht einem Puzzle und macht mir großen Spaß.  Manch einer mag nicht verstehen, warum die Holde sich so was „antut“ aber so hat halt jeder sein Hobby. Ich für meinen Teil finde ja Tennis pervers.

Gepflanzt wird übrigens am alten Emaille Waschtisch um die Ecke; der auch die hässlichen Plastik Anzuchttöpfe beherbergt.
Alter Waschtisch aus Emaille im Garten

Die Funktion eines Mülleimers ist allen bekannt?
Und ja, die Funktion unseres Rasenmähers müsste auch dringend geprüft werden, ich weiß.

Wir können die Ernte kaum erwarten, denn die ist jede Arbeit, sofern man es so nennen möchte, wert. Durch die eigene Anzucht und die Versorgung mit Regenwasser sparen wir wahnsinnig viel Geld und außerdem weiß ich genau, wie bio mein Bio Gemüse ist.

Im Dezember Salat ernten, während die Preise im Supermarkt auf 1,99 € steigen, macht mir Spaß, denn es ermöglicht mir anderen Luxus. Das habe ich übrigens auch schon erfolgreich in der Mietwohnung auf der Fensterbank gemacht, im Balkonkasten, bei Halbschatten. Wenn sich das Fenster nicht gerade über einer stark befahrenen Straße befindet, lohnt sich der Versuch durchaus.
Und zwei Mal die Woche die Reste aus deiner Wasserflasche da rein zu kippen, das schaffste och.

Zum Abschluss einen Blick zum vorgelagerten Strand, wo ich entspanne und den Garten plane, würde denn die Sonne scheinen.

Strandkorb im Garten

Baut ihr auch Essbares an, fragt die holde Gärtnerin? Falls ihr einen super Insider Tipp oder Gemüse Vorschläge habt, immer her damit.

 

9 Kommentare

  1. Gude Mooojee! 🙂

    Wie ich sehe, hält Dich das Schmuddelwetter nicht davon ab, Deinen landwirtschaftlichen Ambitionen zu frönen. 😀

    A propos Tomaten: Die Erzeuger waren letztens hier gewesen, haben die Tomaten-Töpfe mitgenommen und werden mir diese am kommenden WE neu bestückt zurückbringen. Dann blüht auch mein *hust* „Garten“ wieder auf! 😉

    Bezüglich der Zucchini-Schwemme möchte ich mich gerne schon vorab als Abnehmer anmelden! Die vom letzten Jahr gingen runter wie ein dickes Kind auf der Wippe! 🙂

    Und wieder einmal habe ich auf Deinem Bildungs-Blog etwas Neues gelernt: Ysop. Nie gehört vorher. Nun weiß ich, dank Wikipedia, ein wenig mehr! 😀

    Dank und Ehr‘ der wohlgesonnenen Kräuterhex‘ und ihrem getreuen Kerl!

    Auf bald!

    1. Mooorje ☺ Wat mutt dat mutt. ☺ Soo is fein, Erzeuger Garten sozusagen, apropos Erzeuger und erzeuger. Ich würde so gerne mal wieder Eier essen, was ich ja nur noch tu wenn das Huhn frohlockt. Also dürft ihr mich gerne mal wieder bedenken..-)Ich sorge Zucchini mäßig auf jeden Fall für dich, das kriegen wir nich gegessen. Der Ysop.. da brauch ich ne Lupe für. Lieb gegrüßt, nach unten in die Stadt, Alex

      1. Asu, Eier! Jo, werden bei nächster Gelegenheit bei Vati angefragt.
        Aber vielleicht sehen wir uns ja demnächst eh bald, wenn ich mim Reini mal bei euch vorbeischaue! Dann gibt’s auch Eier. 🙂

        PS: Viel Erfolg in Mainz!

  2. neee, hier stehen nur noch relaxsessel und ein großer tisch. nicht zu vergessen das neu dazu gewonnene sonnendeck.der grill wird bei bedarf aus der garage geholt. auf bio müssen wir uns nun wieder beim einkauf verlassen. aber dafür gibt es hier kein gequäke in den beeten mehr wer hier mit wem, und wer mit überhaupt niemanden. um uns ein wenig selbst zu quälen haben wir das sensibelchen (die hortensie) noch behalten. die steht jetzt neben dem auch noch zugelassenen buchs. bisher bleibtse still und wirft mit satten grün nur so um sich. die knospen lassen noch auf sich warten. aber das sind wir ja von ihr gewohnt. in einer miniecke haben wir noch minze verscharrt. für die cocktails, klar! klingt sicher sehr ernüchternd für die holde gärtnerin. aber was soll ich sagen? der rasen, der kommt! und gras geht ja bekanntlich immer. lieb gegrüßt, vonne couch, sabine&paula

    1. Das Konzept ist durchaus überzeugend. 🙂 Meine Hortensie knospt auch nur leicht, is noch früh. Gib viel Wasser und halbschatten, dann freut sie sich. .. nur mit Rasen hab ich et ja net so ☺ Lieb gegrüßt vonne Night Couch, Alex

  3. Ach Alex, Deine Argumentation Bezügl. des grünen Daumens bezichtigt mich der Faulheit…. ich gebe es zu….. mir dieses Wissen anzueignen bin ich zu faul! Ich hoffe auf Glück von wegen Tomaten und anderem. Das mit dem Schnittsalat scheint aufzugehen, die Tomaten kommen langsam, sind allerdings erst 2-3 cm groß….. Einzig meine Klematis von letztem Jahr wächst und gedeiht prächtig und steht kurz vor der ersten Blüte. Ansonsten genieße meinen Balkon zum Sonnen und auch Grillen und einfach nur draussen sein. Ich dekoriere ihn so gut es mir möglich ist, Du weist ja west/Nord Balkon ( wind usw.) Aber ich genieße es in vollen Zügen.
    Doch Zucchini und co. werde ich weiterhin beim Gemüsehöher meines Vertrauens erwerben, denn ich will auch noch leben und nicht Gärtnerin des Jahres werden 😉
    Ganz viele liebe Grüße und Hut ab vor Deinem GRÜNEN DAUMEN und Deiner vermutlich prächtigen Ernte dieses Jahr.
    LG sanne

    1. Hihi, das solte es nicht heißen. ☺ Es ist nur nervig, wenn du Stunden geplant und gebuddelt hast, dann Dreckverschmiert, schwer atmend den Überraschungs Besuch reinlässt und irgendwas von: „Duuu hast ja nen grünen Daumen, iiich kann das ja alles nicht und muss meinen Salat selbst kaufen.“ Ein einfaches, och für mich is das nix, würde ja völlig ausreichen. 🙂 Eben habe ich gesehen unsre Clematis blüht auch endlich mal, toll. Der Salat macht sich von selbst, das klappt sicher, vergiss nur das Pflücken nicht, damit auch ws nachkommt. Zucchini sind ja das Gemüse, das sich total selber macht und dann ständig nachliefert, ob du wilst oder nicht, 🙂 monatelang. Mir sichert der Garten ja sogar meinen Lebenstil, da ich mir nur vom so Ersparten anderes gönne. Wehe, wenn die Ernte nicht prächtig wird, dann wird gehungert. Grüße vom momentan schwarzen Daumen ☺ L.g Alex

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